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Ojen uff! Frühling kannste nich im Menü einstellen.

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Ast oder Tier? Frühling. Endlich mal wieder Licht, Luft und dieses leise Gefühl, dass man nicht den ganzen Tag drinnen vor irgendeinem Display versauern sollte. Also: Ojen uff! Und raus an die frische Luft. Nicht in Lightroom. Nicht in YouTube. Nicht in die nächste Objektivdiskussion. Raus. Der Wald macht gerade mehr als dein Preset Hier bei uns, nicht weit von Bremen, gibt’s so’n Ort, da vergisst man ziemlich schnell, wie unwichtig manche Foto-Debatten eigentlich sind: den Hasbruch. Ein Wald, fast schon ein Urwald. Da wächst, kippt und gammelt alles so, wie es will. Nichts geschniegelt. Nichts aufgeräumt. Kein Forstamt geht mit dem Rechen durch. Alte Eichen stehen da rum wie Figuren aus ’nem Fiebertraum. Verbogene Stämme, knorrige Äste, Wurzeln wie Finger. Und unten breitet sich zwischen den noch kahlen Bäumen ein Teppich von Buschwindröschen aus, so zart, dass man fast automatisch leiser wird. Fast. Und plötzlich fängt der Kopp an zu spinnen Dann stehst du da. Guckst auf so ’ne al...

Lernt endlich eure Kamera lesen, Mensch!

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Frei nach Heinrich Zille Manchmal stehe ich im Fotokurs für Fortgeschrittene, gucke in eine Runde ambitionierter Hobbyfotografen – viele davon seit Jahren in Fotogruppen unterwegs – und denke: „Dit kann doch jetzt nicht wahr sein!“ Da wird stolz erzählt: seit Jahren werde fotografiert, Lightroom sowieso, Presets von Influencern am Start und natürlich die gleiche Kamera wie irgendein YouTube-Guru. Und dann soll die Blende geändert werden. Blende 8 ist gefragt. Plötzlich Stille. Es wird hektisch an den Rädchen der Kamera gedreht. Am Display tippt einer auf die ISO. Und staunt Bauklötze, dass einfach keine 8 kommt. Die nächste findet eine 8, leider die Verschlusszeit. Auch kein Treffer. Ein Dritter guckt mich an, als hätte ich nach Quantenphysik gefragt. Da verplemperst du als Dozent vor Schreck deinen Kaffee auf den Lehrertisch und sagst: „Leute, lernt endlich eure Kamera lesen, Mensch!“ Mit Grundlagen ist nicht der Ein-Aus-Schalter gemeint Ich weiß ja, „Grundlagen der Fotografie“ in ...

Lernt kieken, statt neue Linsen zu koof'n!

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Zu viel Müll im Bild? Hier spricht der Dozent. Aus vollem Herzen. Und voll ehrlich! Neulich im Fotokurs. Jemand zeigt ein Bild. Technisch einwandfrei. Scharf. Saubere Farben. Tolles Objektiv hat die Person auch drauf gehabt. Das Neuste. Natürlich! Ich gucke auf das Bild und frage: „Und… was war jetzt das Motiv?“ Stille. Der Fotograf schaut aufs Display, dann mich an. Dann wieder aufs Bild... Passiert öfter, als man denkt. Technik haben wir inzwischen alle. Die Wahrheit ist doch: Kameras sind absurd gut geworden. Ein Autofokus der (meistens) schneller als unser Denken ist. Sensoren die alles sehen, auch das was du nicht willst. Objektive die scharf bis in die letzte Ecke zeichnen. Und trotzdem entstehen täglich Millionen Bilder, bei denen man denkt: „Ja… nett. Aber worum ging’s jetzt?“ Was jetzt fehlt ist selten bessere Technik. Was fehlt ist Bildgestaltung. Brennweite kaufen ersetzt kein Sehen. Ein neues Objektiv und plötzlich bessere Bilder? Tut mir leid. Träum' weiter. Ein neu...

Warum ich RAW-Konvertierung für anachronistisch halte

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Jetzt bitte einmal tief durchatmen. Ja, ick weeß. RAW ist heilig. RAW ist Rettung. RAW ist Religion. Aber manchmal frage ick mich: Fotografieren wir eigentlich noch – oder sammeln wir nur noch halbfertige Dateien für später? Die große Verschiebung Früher – also damals, als man noch wusste, was man tat – wurde bei der Aufnahme entschieden. Belichtung. Kontrast. Farbigkeit. Stimmung. Heute höre ich oft: „Mach ich später im RAW.“ Später. Später ist das neue Jetzt. Und dann sitzt man abends vor dem Rechner, schiebt Regler. Belichtung +0,3. Kontrast +12. Weißabgleich bisschen wärmer. Vielleicht doch kühler. Ach komm, doch ’n Preset drüber. Zack. Drei Stunden weg. Die Kamera kann das längst selbst Moderne Systemkameras sind keine Einweg-Knipsen. Du kannst einstellen: Kontrast Farbsättigung Farbprofile Schwarzweiß mit Filterwirkung Schärfe Dynamik Und – Achtung, jetzt kommt der Clou – du siehst das Ergebnis vor der Aufnahme im Sucher. Das heißt: Ich sehe mein Bild. Ich entscheide. Ich drü...

Meinung: Remix oder Gemischte Gefühle

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Fotografie im freien Fall? In Sachen Fotoausstellungen ist in Bremen nicht viel los. Um so erstaunlicher, dass ausgerechnet die Kunsthalle eine präsentiert. „Remix. Photographie – Fiktion und Wahrheit“ – ein Titel, der nicht nur Neugier weckt, sondern eine These ankündigt. In Zeiten von KI, Deepfakes und digitaler Bilderflut ist das Verhältnis von Fotografie und Wahrheit kein Randthema mehr, sondern Kernfrage. Wer so betitelt, positioniert sich. Wer „Fiktion und Wahrheit“ verspricht, muss beides zeigen – und vor allem ihr Spannungsfeld. Alles andere wäre … nun ja … mutig betitelt. Mit entsprechend hoher Erwartung betrete ich die Kunsthalle Bremen. Der erste Raum überzeugt. Bernd und Hilla Becher setzen mit ihren streng komponierten Industriebauten einen klaren, dokumentarischen Auftakt. Typologien als vermeintlich objektive Wahrheit. Kohlebunker, Fachwerkhäuser, Wassertürme – alles was die geneigten Besuchenden erwarten. Gegenüber: Pinsel-Heinrich, also Zille – kleine Kontaktabzüge,...

Meinung: Rückkehr zur Kontinuität

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Neulich saß ich mit ’nem Kaffee in der Hand, hab durch Instagram gescrollt und dachte: "War da nicht mal was? Jeden zweiten Dienstag ein neuer Hype. Jeden Freitag die nächste „Revolution“. Und jetzt? Funkstille." Keine neue Super-Alles-Kamera. Kein „Gamechanger-Objektiv“. Kein Preset, der dein Leben rettet. Irgendwie…  Ruhe im Karton. Und wisst ihr was? Ist vielleicht gar nicht so schlecht. Die letzten Jahre waren doch wie Jahrmarkt auf Speed. Die KI macht angeblich dein Bild. Deine Kamera sieht im Dunkeln besser als eine Katze. Mit 100 Megapixeln, zählst du auch die Poren vom Nachbarn drei Häuser weiter. Und TikTok sagt dir, wie du fotografieren musst – in 15 Sekunden, sonst bist du raus. Klar, Technik ist toll. Ich liebe Technik. Habe Schränke voll damit. Aber irgendwann war das Ganze wie ein Dauer-Feuerwerk: laut, bunt – und nach zehn Minuten weiß keiner mehr, was eigentlich gezündet wurde. Fotografie wurde zur Feature-Liste, zur Vergleichstabelle und zum Sensor-Battle. Ir...

Erschreckend schön: Bildbearbeitung mit KI

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Zu schön um wahr zu sein? Dem Computer oder Smartphone einfach sagen, was es machen soll und schon sind meine Bilder perfekt. Ein (Alb-)Traum dem wir immer näher kommen. Seit Google bei Gemini die Version 2.5 Flash bereit gestellt hat schwärmen viele von den neuen Qualitäten. Um es gleich vorweg zu sagen: in der kostenlosen Version bekommt man die Ergebnisse nur klein in etwa 800x1200 Pixel ausgegeben und enthalten ein Wasserzeichen. Für das den Blog oder das Smartphone sicher ausreichend. Wer mehr will muss zahlen. Die Ergebisse können sich durchaus sehen lassen. Einfache klare Befehle wie "mache den Himmel blau" werden promt erfüllt. (Wortspiel bemerkt?) Auch der Heideblüte zur farbenfrohen Pracht zu verhelfen war kein Problem. Smartphone                                                                      ...

Wien (Teil 2): ein Motiv-Paradies für Fotografen auch mit dem Smartphone

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Hier wurde ein Trick angewendet, damit der "Steffl" ganz auf das Bild passt! Ja, ich bin Fotograf! Und doch habe ich oftmals keine Lust die ganze Ausrüstung, geschweige denn eine einzelne Kamera mitzuschleppen. Doch das Smartphone ist immer dabei. Für mich so etwas wie für meine Eltern die Pocket-Kamera. Auch die Kreativität soll, so sagen es viele, beflügelt werden wenn nur eine einzige Brennweite zum Einsatz kommt. Bedingt durch einen Display-Fehler meines Smertphones, es vertrug sich nicht mit Hitze, kramte ich mein altes Samsung S6 heraus. Damit ging es nun auf Motivjagd. Im letzten Abendlicht fuhr ich mit der Tram noch in die Innenstadt.  Nachtaufnahmen sind mit dem Smartphone keine Zauberei. Die richtige Belichtung ist entscheidend, damit die Stimmung nicht verloren geht. Da die Bilder noch am gleichen Tag in der Insatgram-Story gezeigt werden sollten, habe ich sie gleich im Hochformat aufgenommen. Ein Blickfang: alte Werbungen Um Motive braucht sich in Wien keiner z...

Wien (Teil 1): ein Paradies für analoge Fotografie

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Ein mit analogen Kameras prall gefüllter Tisch auf dem Flohmarkt am Naschmarkt in Wien. Mitte Juni zog es mich mal wieder nach Wien. Die Metropole an der Wien und der Donau bietet für Fotografen mehr als "nur" massenhaft schöne Motive. In so manchen Ecken scheint die Zeit ein wenig stehen geblieben zu sein. Oder ist sie gerade dadurch auf der Höhe der Zeit? Also gehen wir doch einmal am U-Bahnhof Burgasse (U6) los und folgen der Straßenbahn Nummer 49 (aktuell wegen Bauarbeiten 52) in Richtung Volkstheater. Hinter der Kaiserstraße - dort hat übrigens die Lomography ihren Sitz - auf der rechten Seite erspähen wir eine riesige Telefonnummer über einem Geschäft. Beim näher kommen lässt sich auch der Schriftzug "Blende 7" lesen, falls uns nicht der Laden daneben mit "Camera 31" gefangen genommen hat. Ja, das sind zwei verschiedene Geschäfte. Blende 7 bietet viel Zubehör und Filme für den analogen Fotografen. Camera 31 dagegen ist schmal und vollgestopft mit ...

Nachhaltigkeit in der Fotografie

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  Sieht nachhaltig aus Fotografie und Nachhaltigkeit - zwei Dinge die sich auf den ersten Blick widersprechen. Schon allein dieses Wortungetüm "Nachhaltigkeit" lässt mich zusammen zucken. Aber des Deutschen liebtses Kind ist es nun mal Verben oder Adjektive zu Hauptworten zu transformieren. Aber bevor ich abschweife und noch über die Machbarkeit der Duftigkeit von Bildern philosophiere zurück zum Thema. Letztlich geht es darum, ob und wie wir Ressourcen sparsam, sinnvoll oder zumindest wiederverwertbar einsetzen. Zu analogen Zeiten war dies schon aus ökonomischer Sicht sinnvoll. Silber aus den Filmentwicklern konnte zurückgewonnen werden. Entwickler im Großlabor oder Minilab wurden regeneriert, alles ein kleiner Beitrag zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen. Auch im Hobby-Labor wurden die Chemikalien gesammelt und brav zur Abgabestelle gebracht, meistens jedenfalls.  Nun könnte der Gedanke aufkommen, dass im Vergelich dazu die digitale Fotografie eine saubere Sache sei. Von weg...